Roskovce

jekh bers andro romano gav - ein jahr in einem romschen dorf

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Zipser Tagebuch_06.10.2007


Hallo, ahoj und lacho dives (roman. Guten Tag)                06.10.2007

Nachdem ich nun (vorerst für ein jahr) in prag meine zelte abgebrochen habe, bin ich nun, letzten Dienstag, in der slowakei gelandet, wo ich nun ein jahr im rahmen des europäischen freiwilligendienstes für die tschechischen organisation clovek v tisni/mensch in not in der roma-siedlung roskovce arbeiten werde. (fuer jene, die nun versuchen roskovce auf der karte zu finden: sucht nach levoca bei poprad. Roskovce werdet ihr nicht finden). Die ersten 2-3 tage haben wir, meine prager romistik-studienkollegin andrea, die mit mir ein jahr hier sein wird, versucht unsre kleine wohnung einigermassen einzurichten. Wir wohnen hier in einer gemeindewohnung in Spissky Hrhov (findet ihr wahrscheinlich auch nicht auf der karte), die mit 12 betten aber dafür mit keinem einzigen kasten ausgestattet war. Mittlerweile sind wir fünf betten losgeworden und haben einige möbel

Nach dieser kleinen einführung in land und leute, aber nun zum wichtigsten hier. Gestern war ich den ersten tag im gemeindezentrum in der roma-siedlung, wo ich nun arbeite. In dieser Siedlung wohnen nur roma, ursprünglich war es ein slowakisches dorf, ca. bis in die 1950er Jahre, danach sind dann roma hingezogen und die Slowaken weg, weshalb dort zumindest die meisten häuser gemauert sind und keine hundehüttenähnlichen behausungen. Auch das zentrum ist in einem alten haus untergebracht. Es gibt in der gesamten siedlung kein fliesswasser

.. ich glaube, es ist nicht notwendig mehr dazu zu sagen, ausser vielleicht, dass das hier ziemlich normal ist….

Ich wünsch euch allen ein schönes wochenende und schicke viele liebe grüsse aus der zips!

barbara

„zusammengekratzt", wodurch unsre kleine dachgeschosswohnung (die der prager husinecka sehr ähnlich ist, für all jene die dort schon mal gewohnt haben ;-) ) nun ziemlich gemütlich ist. Abgesehen jedoch von dieser ähnlichkeit, gibt es hier rein gar nichts, das an ein grosstadtleben erinnert. im gegenteil, im hinterhof gackern die hühner, vorne auf der „hauptstrasse" fahren die traktoren vorbei, der kleine greisler ums eck hat von einem „selbstbedienungsladen" noch nie was gehoert und die briefträgerin haben wir schon abgefangen, um ihr zu sagen, dass es sich bei briefen mit unseren namen um keinen irrtum handelt und sie sie nicht zurückschicken soll. Auch das nachtleben in levoca gleicht dem in zwettl (die kleine stadt in der nähe meines heimatortes). Gestern abend war dort die slowakische premiere des amerikanischen mord- und totschlagfilms „die letzte schlacht", der vor zwei jahren hier auf der Zipser burg gedreht wurde. Tja, das ganze ist sang und klanglos über die bühne gegangen- keine ansprache, kein buffet, (fast) keine gäste - rein gar nix. andrea und ich waren mit unsrem tschech arbeitskollegen ondrej (der uns die ganze zeit durch die gegend kutschiert und sich um uns „kümmert") und einer slowakischen freundin von ihm unterwegs. Nach dem kino sind wir noch etwas trinken gegangen und haben dort zufaellig den hiesigen bürgermeister, den wir schon kennen gelernt haben, getroffen, der eigentlich nur seine tochter abholen wollte und dann ca. 1h bei uns gesessen ist und eine flasche wein spendiert hat ;-) er hat uns auch morgen am Nachmittag in den gemeindesaal zur weinlese eingeladen, wo vermutlich morgen ab 15h gesoffen wird (vermutlich wurde diese festivität für Sonntagnachmittag deshalb angesetzt, da einmal der pfarrer so betrunken war, dass die messe sonntag früh ausgefallen ist).– somit auch nicht im zentrum- nur einen brunnen im dorf. (glücklicherweise hat es gestern geschüttet, somit hatten wir fliesswasser von der regenrinne) Unser wc steht als plumpsklo im garten. Die gesamte infrastruktur im zentrum erinnert an ein freilichtmuseum. Es gibt zwei zimmer, die als klassen konzipiert sind, und mit holzöfen geheizt werden, ansonsten noch zwei abstellkammerl, eine küche und einen vorraum. Da die Kinder vormittags schule haben, ist das zentrum nur nachmittags geöffnet, und da kommen zuerst die kleinen (ca. bis 10jahre) und dann von 15:30 bis 18:30 die grossen (bis ca.17J.). Unsere Aufgabe ist es, zuerst mit den kindern zu lernen, d.h. jedes kind hat ein eigenes heft, in dem rechnen und schreiben geübt werde und danach wird gespielt bzw. gestern haben wir mit den grossen herbstmotive auf die fenster gemalt. Am Montag haben wir eine dienstbesprechung und dann werden wir genaue „krouzky" (Zirkel, Kurse) einteilen. Ich werde voraussichtlich mit den grossen handarbeiten und deutsch lernen. Generell muss man jedoch leider vom schlimmsten sonderschulniveau ausgehen. Gestern als wir die fenster bemalt haben, ist mit aufgefallen, dass selbst die grossen die farben nicht unterscheiden können bzw. farbenblind sind – wir haben momentan blumen mit rotem Stängel und grünem blumenkopf am küchenfenster. Danach hab ich mit einem grossen mädel rechenaufgaben durchgenommen und sie war mit einer rechnung wie „45-7=" komplett überfordert, obwohl ich sicher über eine stunde versucht habe, ihr mit kugeln - in 10er Reihen angeordnet - diese Rechnung zu veranschaulichen, konnte sie es nicht erfassen. Wenn also in einem jahr die kinder eine derartige rechenaufgabe lösen können, ist dies bereits als absoluter erfolg zu verbuchen… es sind jedoch auch einige dabei, die schon auf zack sind. Ein kleiner bursche war echt total herzig als ein mädel am tisch als aufgabe eine reihe „l" schreiben sollte und es überhaupt nicht geklappt hat – sie machte alle möglichen schnörksel und zierelemten, nur leider kein „l". daraufhin hat er ihr das heft aus der hand genommen und gemeint: „ ich mach dir das." Eine derartige solidarität unter kindern wäre mir in österreich nie aufgefallen. Auch sind die kinder überhaupt nicht schüchtern, innerhalb kürzester zeit hingen sie mir an den beinen und meinten: „Frau Lehrer, kommen Sie wieder?" Obwohl das alles für mich nicht mehr totales neuland ist, ist es doch sehr, sehr anders… das „skandalöste" oder schockierendeste habe ich jedoch erst am abend von unsrem kollegen ondrej erfahren, und zwar wurde im august in die kueche des zentrums eingebrochen und fertigsuppen und kekse gestohlen. Der einbrecher wurde von den roma selbst vertrieben, gestern wurden nun plötzlich zwei junge roma aus der siedlung von der polizei abgeholt, da sie verdächtigt werden den einbruch begangen zu haben. Beide hatten jedoch ein alibi, einer war zuhause und hat mit seiner familie ferngeschaut und der zweite war bei den anderen dabei, die den einbrecher vertrieben haben. (es wurden noch zwei weitere verdächtigt, die waren jedoch zu dem zeitpunkt in tschechien arbeiten, somit musste die polizei diesen verdacht dann doch fallen lassen). Auf alle faelle wurden die zwei burschen auf die polizei abeführt und dort verhört, da sie den einbruch nicht zugegeben haben, wurden sie von den polizisten geschlagen. Einer wurde nur leicht verletzt, der hat in seiner not dann ein geständnis unterschrieben, der andere wurde dann von ondrej zum arzt gebracht, da er ziemlich schlimm beieinander war – dem hat man gar kein protokoll mehr zum unterschreiben gegeben, da man sonst ja was gegen die polizei in den händen hätte. Die Ärztin war dann - für hiesige verhältnisse – unglaublich mutig und hat anzeige erstattet. Es ist mittlerweile auch ein rechtsanwalt eingeschaltet. Am abend waren dann noch die polizisten bei den roma zuhause und haben ihnen 10 000Kronen (ca. 300EURO) angeboten, um das ganze sozusagen zu vergessen. Die beiden haben dies jedoch abgelehnt.
about:zipser tagebuch29-11-2007 @ 20:28 UTCno comments

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