Roskovce

jekh bers andro romano gav - ein jahr in einem romschen dorf

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Zipser Tagebuch_05.11.2007


 

Lacho dives!                       05.11.2007                                  

Zuerst gleich mal vielen, vielen herzlichen Dank für die netten, aufbauenden Emails, die da so in den letzten Wochen in meiner Mailbox eingetrudelt (eingetroffen) sind! Zugleich aber auch wieder Entschuldigung dafür, dass ich noch nicht allen zurück geschrieben habe, aber ich arbeite daran!! Ebenso werde ich

Die letzten paar Wochen waren ziemlich ereignisreich (was nicht nur daran lag, dass ich in Wien noch meine Diplomprüfung absolvieren musste, was übrigens gut ausgegangen ist), obwohl nun bereits im Zentrum das Alltagsleben eingekehrt ist. Wenn man jedoch in einem Zentrum mit (Roma)-Kindern arbeitet, ist jeder Tag ein Erlebnis für sich ;-)

Zuerst jedoch die Fortsetzung von dem brutalen Polizeiübergriff, da ich davon ausgehe, dass es alle interessiert. Wir hatten ein paar Tage später Dienstbesprechung und da einer der Betroffenen der Sohn einer Arbeitskollegin ist, kam natürlich auch bei der Sitzung das Gespräch auf dieses Thema. Das Furchtbare daran ist, dass sogar von Menschenrechtsexperten empfohlen wird, in so einem Fall das Geld von den Polizisten anzunehmen, um weitere rassistische Übergriffe vorzubeugen, da es sonst passieren kann

Kurz danach war eine Journalistin von einem regionalen, katholischen Radiosender im Zentrum, um einerseits zwei Reportagen über das Zentrum zu machen und um andererseits den Kindern etwas über Radio-Reportagen zu erzählen, da bei uns das Projekt

Abgesehen von diesen unschönen Ereignissen, gibt es aber auch Positives und Erheiterndes zu berichten. Der Tagesablauf im Zentrum sieht so aus, dass von 13:30-15:30 die kleinen Kinder, das heisst von 6-10 Jahre kommen, wobei die erste Stunde gelernt wird und die zweite gemalt, gebastelt etc. Wir haben sie einmal nach dem Lernen hinausgeschickt, um bunte Blätter zum Basteln zu sammeln. Einige der Kinder kamen mit einem

Von 15:30-18:30 kommen dann die Grossen, das heisst ab 11 Jahren, nach oben hin gibt es keine Begrenzung, jedoch sind die Ältesten um die 15. Auch hier wird wieder die erste Stunde gelernt und danach haben wir verschiedene

Dazu fällt mir eine lustige Anekdote ein. Ein paar Tage später saß ein Mädel in der Klasse und hatte vor sich zwei Handys von Arbeitskollegen liegen. Auf einem war es 18:03 und auf dem anderen 18:04. Wir fragten sie, wie spät es ist. Sie stellte fest, dass auf dem einen 18:03 stand und auf dem anderen 18:04, während sie überlegte ob es nun eigentlich 6Uhr und drei Minuten ist etc. lief natürlich die Zeit weiter und plötzlich schrie sie total entsetzt auf:

Diese Woche hatten wir im Zentrum auch Verstärkung von meinem ehemaligen Prager Mitbewohner Stefan, der freiwillig ein paar Flöhe riskierte ( derzeit sind wir aber alle flohfrei!) und mit ins Zentrum kam, nachdem er eine 9stündige Suzukifahrt (Suzuki=Automarke) vom Waldviertel bis nach Spissky Hrhov als Beifahrer überstanden hatte. Die Kinder waren von seinen Zeichenkünsten ziemlich begeistert.

Ich hoffe es geht euch allen gut und ich schicke euch viele liebe Grüße in alle Ecken und Enden rund um den Erdball!

barbara

– auf mehrfache Kritik hin – versuchen meine Sprache an die deutsche Schriftsprache anzupassen, damit auch deutsch-deutsche Muttersprachler und nicht-deutsche Muttersprachler meine Emails verstehen ;-)– falls rechtliche Schritten eingeleitet werden – dass die Racheaktion der Polizei noch viel schlimmer wird. Die Betroffenen haben nun beschlossen, den Vorfall totzuschweigen... Grotesk daran ist, dass die Polizisten – nachdem sie gemerkt haben, dass Clovek v tisni (die Organisation für die ich arbeite) hinter den Roma steht – angeboten haben, in der Siedlung einen Vortrag für die Jugendlichen abzuhalten, um sie über ihre Rechte aufzuklären (die sie im Prinzip nicht haben). Dies ist wirklich der Gipfel der Unverschämtheit. – soviel zum Thema: Die Polizei, dein Freund und Helfer!„Internet-Radio" läuft. (Die Kinder werden in den nächsten Monaten Geschichten, Erzählungen, Erinnerungen von Menschen aus der Siedlung aufnehmen, die dann bearbeiten und im Anschluss ins Internet gestellt werden). Dabei erzählten ihr die Kinder auch von diesem Vorfall. Dieser Beitrag wird zwar erst gesendet werden, aber man kann nicht davon ausgehen, dass er etwas bewirken wird. Der erste Beitrag über die Aufgaben des Zentrums wurde bereits vor 1-2 Wochen ausgestrahlt und unglaublicherweise trafen am Montag zwei Päckchen bei der Post ein, die für das Zentrum bestimmt waren. Hörer haben den Beitrag gehört und Bücher, Kleidung und Spielsachen geschickt. Als meine Kolleginnen die Pakete von der Post abholten, meinte die Postbeamte, dass sie jetzt auch noch wegen den Scheiss-Zigeunern Pakete schleppen muss, dabei wurden diese ja eh von uns abgeholt. Dieser Alltagsrassismus an jeder Ecke ist wirklich zum Kotzen. „ganzen Wald" zurück; Pilze, ganze Zweige mit Schlehen und Hagebutten. Damit hat natürlich keiner von uns gerechnet. „Amüsant" daran war auch der Protest der Kinder, nachdem wir ihnen erklärten, dass wir nur die Blätter brauchen und sie den Rest im Garten entsorgen sollen. Es leuchtete ihnen absolut nicht ein, diese Waldfrüchte, die man ja essen kann, wegzuwerfen – die Schlehen wurden somit auf Ort und Stelle verspeist. Einmal, als wir spazieren gingen, haben sie sich die Taschen mit Schlehen und noch anderen roten Früchten (die Kinder haben sie als „marori" bezeichnet, wobei dies aber die Verkleinerungsform von romanes „maro" / Brot ist; die Roma haben jedoch viele eigene Bezeichnungen) – es waren aber keine Hagebutten – gefüllt und diese als Wegzehrung benutzt. „krouzky" (Kurse), allerdings basiert das Ganze auf Freiwilligkeit, weshalb manchmal nur drei Kinder kommen und an anderen Tagen wiederum 15 und mehr. Dadurch ist es nicht immer leicht etwas im Voraus vorzubereiten, weshalb spontane Ideen immer von Nöten sind. Meine erste Deutschstunde habe ich damit begonnen, dass ich sie gefragt habe, in welchen drei (großen) Ländern man Deutsch spricht. Deutschland leuchtete den meisten noch ein, Österreich und Schweiz kamen ihnen jedoch ziemlich absurd vor. Auf meine Frage hin, woher ich, mit deutscher Muttersprache, denn komme, kamen die lustigsten Antworten – Tschechien war aber auch dabei ;-) Wenn man jedoch einmal weiss, aus welchen Familien die Kinder kommen, dann überrascht es einen nicht mehr, dass sie nicht wissen, „was" Österreich ist. Es kommt z.B. auch ein Geschwisterpaar, denen zuhause 15 Kinder sind und die Mutter ist mit dem 16 schwanger… da ist es eigentlich ein Wunder, dass die Kinder so sind wie sie sind, denn Unterstützung erhalten sie von zuhause keine! Eine Kollegin hat mit ihnen auch mal die Uhrzeiten durchgenommen, es war erschreckend. Die Wenigsten können eine Uhr mit zwei Zeigern lesen. „Oh mein Gott, jetzt steht da 18:05 und auf dem anderen 18:06." :-)
about:zipser tagebuch29-11-2007 @ 20:30 UTCno comments

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