Roskovcejekh bers andro romano gav - ein jahr in einem romschen dorfRoskovce.myevs.net | ||||
„Nur fur Weisse“–das ungeschriebene Gesetz der Ostslowakei!Barbara: „Gibt es noch Apartheid in Europa?“ Österreich:„Apartheid? Sie meinen eine Rassentrennung, wie damals in Amerika oder Südafrika?“ Barbara: „Ja, genau das meine ich!“ Österreich: „Nein. Die gibt es nicht in Europa! Wie kommen Sie denn überhaupt auf so eine Idee?“ Barbara: „Weshalb ich auf diese Idee komme?? Deshalb:
Roškovce/Slowakei, Freitag, 5. Oktober 2007 „Ich komme gerade vom Arzt. Martin und Thomas[1], die zwei jungen Roma, die oben in der Siedlung wohnen, sind heute von der Polizei mitgenommen worden“, erzählt mein Kollege am Abend, als wir alle gerade gemeinsam auf einen Kaffee sind. „Wieso denn das? Was ist passiert?“, frage ich verwundert. „Im Sommer ist im Zentrum eingebrochen worden. Die Roma selbst haben den Einbrecher verjagt. Vermutlich war es ein Landstreicher, ein Obdachloser. Es haben nur ein paar Kekse aus der Küche gefällt. Wir haben den Einbruch natürlich angezeigt, allerdings hat sich die Polizei nicht darum gekümmert. Und heute sind sie plötzlich in der Siedlung aufgetaucht und haben aus heiterem Himmel die zwei jungen Burschen mitgenommen.“ „Was? Wieso haben sie nun auf einmal Ambitionen diesen Fall, einen Einbruch in einer Roma-Siedlung, zu lösen?“, frage ich verwundert und entsetzt zugleich. „Naja, das Jahresende nähert sich und die Statistik muss passen! Die zwei haben aber ein Alibi, sie waren es nicht. Die Polizei nimmt aber die Aussage der Roma, die den Einbrecher gesehen haben, nicht ernst und meint nur, die denken sich ja alle einfach irgendetwas aus.“ „Ja gut, ich meine nicht gut, aber wieso kommst du dann direkt vom Arzt und erzählst von Martin und Thomas?“, frage ich weiter. Mein Kollege blickt mich traurig an: „Die zwei haben sich geweigert ein Geständnis zu unterschreiben, weshalb einige Polizisten versucht haben mit Gewalt eines aus ihnen herauszuprügeln. Martin wurde dabei schlimm verletzt. Wir waren jetzt bei der Ärztin. Die hat sogar Anzeige erstattet ... ziemlich mutig für die hiesigen Verhältnisse.“
Amnesty International berichtet von einem tötlichen Vorfall (im Jahr 2000) in Poprad (30km von Roškovce entfernt) auf der Polizeistation, wo bei einem Verhör ein Rom durch einen Bauchschuss getötet wurde. Die sich zu diesem Zeitpunkt im Dienst befindenden Polizisten, gaben später an, dass der Mann ihnen die Waffe entwendet hatte und sich anschließend selbst hingerichtet hat.[2]
Roškovce, Mittwoch, 14. November 2007 Es ist 13:30. Die Volksschüler kommen wie immer gleich vom Schulbus zu uns ins Zentrum, um Rechnen und Schreiben zu üben. Doch dieses Mal ist irgendwas anders, die Kinder reden aufgeregt durcheinander, alle sind aufgebracht. Irgendetwas muss passiert sein, denke ich mir! Eine Romni, mittleren Alters, aus der Siedlung stürmt aufgebracht bei der Tür herein, redet auf meinen Kollegen ein, der packt hastig seine Sachen, „Wir müssen zum Arzt fahren!“ , schon ist er bei der Tür hinaus. „Der Schulbusfahrer hat Martina [3] geschlagen. Sie blutet.“ Ich schüttle entsetzt den Kopf, „warum schlägt ein Busfahrer ein 15jähriges Mädel?“ „Naja, sie hat sich geweigert zu stehen und hat sich hingesetzt.“ Noch immer kommt mir diese Information sonderbar vor, warum darf sie sich nicht setzen, wenn genügend Platz da ist? „Roma-Kinder haben im Bus zu stehen,“ klärt mich meine Kollegin auf.[4]
Levoča - Špeciálna škola/Sonderschule, Dienstag, 27. November 2007 „Ah, Sie sind aus Roškovce? Vom Gemeindezentrum? Gut, ich wollt nämlich eh schon lange mit ihnen reden!“ Mit diesen Worten stürmt eine Lehrerin, wohl zwischen 40 und 50 Jahre alt, ins Lehrerzimmer herein, in dem wir, meine slowakische Kollegin und ich, gerade Platz genommen haben, um uns über die Schwächen unserer Schützlinge zu informieren. „ Ja, das sind wir“, antworten wir. „Gut! Ich wollte Ihnen nämlich schon lange sagen, dass Ihre Arbeit im Zentrum ja nett und schön ist, aber das Lernen überlassen Sie uns, ja? Wir sind nämlich die speziell ausgebildeten Pädagogen! Wir wissen, was gut ist für die Kinder. Was Sie mit den Kindern lernen, bringt nichts! Im Gegenteil, Sie zerstören unsere ganze Arbeit! Sie verderben die Kinder! Wir sind die speziell ausgebildeten Pädagogen. Nur wir wissen, was gut für diese ist!!“ „Wir sind nicht hierher gekommen, um uns hier zu streiten. Wir sind gekommen, um eine gute Lösung zur Verbesserung der Lernschwächen unserer Kinder zu finden. Immerhin wollen Sie doch auch das Beste für sie, oder nicht?“, entgegne ich voller Wut auf die verballe Attacke. Doch die Lehrerin redet unbekümmert weiter: „Sie können im Zentrum ja tanzen und musizieren und auch Theaterspielen, tun sie ein bisschen basteln, das ist auch schön. Aber für das Lernen sind nur wir zuständig!“ „Das ist doch purer Schwachsinn,“ denke ich mir insgeheim, „welche Eltern haben eine spezielle pädagogische Ausbildung? Trotzdem schreiben alle mit ihren Kindern Hausübung und wiederholen den gelernten Stoff, damit die Kinder ihn sich besser merken.“ Um uns zu demonstrieren, wie gut ihre Methoden nicht sind, nimmt sie uns in eine Klasse mit. Ich lasse meinen Blick von einem neugierigen Kindergesicht zum nächsten wandern und zähle dabei 10 Kinder … 10 Roma-Kinder! Bereits zuvor am Gang hatte ich kein weißes Kind gesehen, dachte dabei aber eher an einen Zufall. Irgendwie sieht es hier gar nicht aus, wie in einer Sonderschule. Die Kinder wirken so „normal“ – eigenartig. Und nun stehe ich vor einer Klasse, die NUR aus 10 Roma-Kindern besteht. Ich lasse meinen Blick noch Mal von einem mich verschmitzt anlächelnden Gesicht zum nächsten wandern, dabei erkenne ich einige unserer Kinder wieder – einige unserer schlauesten, geschicktesten Kinder. „Wie ist so was möglich?!?! Wieso sitzen die hier in einer Sonderschule?“, frage ich mich selbst. Die Aufforderung an eine Schülerin, einen Text vorzulesen, reißt mich aus meinen Gedanken. Das kleine Mädel liest einen Text über den Frühling vor. Die Lehrerin lobt sie mit den, an uns gerichteten Worten: „Sehen Sie, wie gut sie lesen kann! Sie besucht diese Schule seit der ersten Klasse! Und nun Stefan[5], les uns du einen Text vor.“ Stefan nimmt sein Lesebuch, schlägt eine Seite auf „A a l l s s s aaalll aalls Ma Ma Mama…“ Forsch schlägt ihm die Lehrerin das Buch zu, dreht sich zu uns um und sagt besserwisserisch: „Sie sehen ja selbst! Stefan ist erst seit Herbst bei uns, zuvor ging er in die Grundschule. Er kann nicht mal lesen. Alles muss ich ihm jetzt beibringen! Und Sie haben ja gesehen, die kleine Erika[6] besucht uns seit der ersten Klasse und kann fließend lesen.“ „Naja“, denke ich mir stillschweigend, „das ist auch kein Wunder, dass sie fließend lesen kann, die Kinder hier haben ja keine geistige Behinderung und wenn man drei Jahre lang mit ihnen das Alphabet lernt und sie 4 Jahre lang nur bis 20 zählen lässt, ist es kein Wunder, dass sie das perfekt beherrschen. Die werden hier ja absichtlich dumm gehalten!“ Während uns die Lehrerin weiter schildert, wie gut sie nicht ist, beginnt Stefan mit seinem Nachbarn zu tratschen. „Stefan“, weist sie ihn zurecht, „du weißt, du musst brav sein und du musst uns auch sehr dankbar sein, weil wir so nett sind und dir unsere Zeit widmen!“ Stefan zieht schüchtern seinen Kopf ein. „Ja, Frau Lehrer!“ Draußen, bereits im Auto, koche ich vor Wut! „Wie kann so jemand auch noch von sich behaupten, eine pädagogische Ausbildung zu haben?!?“, frage ich wutentbrannt meine Kollegin. Diese schüttelt ratlos den Kopf: „Diese Lehrerin war auch vor einiger Zeit in der Siedlung und hat den Eltern erklärt, dass es besser ist, wenn sie ihre Kinder in die Sonderschule geben. Da sie sich ihnen dort besser widmen können. Außerdem ist in der Sonderschule auch das Mittagessen billiger (1 Skk)[7] als in der Grundschule (3Skk). Sie hat damals auch noch den Eltern erklärt, dass die staatliche Unterstützung höher ist, wenn die Kinder in die Sonderschule gehen. Leider sind die Eltern nicht genügend informiert. Sie wissen nicht, dass ein Kind mit Sonderschulausbildung keine Chancen hat und das wird natürlich hier ausgenutzt!“ Mir verschlägt es vor Entsetzen die Sprache, meine Gedanken gleichen einer Achterbahn. Wie kann man als Lehrerin so etwas verantworten?!? Kann Rassismus soweit gehen, dass man Kindern einfach ihre Zukunft nimmt … nur weil sie Roma sind?!?! Oder ist es ihre Angst um einen sicheren Posten, der sie dazu veranlasst die Unwissenheit der Roma zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen?
Österreich: „Das ist ja furchtbar! Das haben wir nicht gewusst!“ Barbara: „ Nun wissen Sie es und nun gilt diese Ausrede „Wir haben es ja nicht gewusst“ nicht mehr. Nun wissen es alle! Und nun sind auch alle daran Schuld, wenn es weiterhin passiert! Wenn es JETZT passiert. In diesem Augenblick! Weil wir es zulassen! Weil wir zulassen, dass das ungeschrieben Gesetz der Apartheid wieder zuschlägt!
© barbara tiefenbacher, 2007. [1] Namen geändert. [2] Slowakische Republik – Misshandlung von Angehörigen der Volksgruppe der Roma. Auf: http://www.amnesty.at/osteuropa/, 08.12.2007. [3] Name geändert. [4] Siehe dazu auch die Kurzgeschichte „frau r wird an regeln erinnert“ von Mag. Stefan Benedik Karner. Auf : http://www.benedik.cc/barbost.htm, 08.12.2007. [5] Name geändert. [6] Name geändert. [7] 1 slowakische Krone entspricht ca. 3 Cent Leave a comment | LinksMyEVS albumCategoriesWho's nearby? | |||
der Michael hat mir Deine Seite versandt. Ich glaube, er war noch nicht in der Ostslowakei mit dem Rad. Vielleicht sehen wir uns also.
Meine Mutter stammt aus Topolovka bei Humenne und Ich kenne die Gegend ein bisschen. Ich hoffe, Deine schwere Arbeit erlaubt Dir auch die Naturschönheiten zu erleben.
Darf ich mir eine pedantische Frage erlauben? Liegt Roškovce wirklich 30km von Poprad entfernt?
Courage!!!
Marek